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 Betreff des Beitrags: Kunst in Computerspielen
BeitragVerfasst: Montag, 20. Oktober 2014, 19:58 
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Registriert: Donnerstag, 10. Januar 2013, 20:34
Beiträge: 25
Wohnort: Oldenburg
Hey Folks,
Jedes Theaterstück hat seinen Regisseur(e) oder seine(n) Ausstatter(innen)(Kostüm o. Bühne). In gewisser Weise ist dies ja für viele Computerspiele ähnlich.
Ebenso in Film und Fernsehen. Allgemein wird dabei von Kunst gesprochen. Grund für diesen Thread ist allgemein über Kunst in Computerspielen zu sprechen.
Da ich in meinem Arbeitsbereich oft mit Regisseuren und Ausstattern zu tun hab, wurde die mögliche Kunstform 'Computerspiele' des öfteren erwähnt. (Arbeite am Theater)

Frage:
Gibt es für euch besonders erwähnendswerte künstlerische Spiele?
Sind Computerspiele überhaupt Kunst oder bloße Unterhaltung?

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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst in Computerspielen
BeitragVerfasst: Montag, 20. Oktober 2014, 20:26 
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Registriert: Sonntag, 2. Juni 2013, 17:21
Beiträge: 279
Natürlich sind Videospiele Kunst. Betrachtet man es genau setzen sie sich nur aus Elementen zusammen die ohnehinschon weitläufig als Kunst anerkannt sind (man hat Musiker die Komponieren, Leute die modellieren, Regiesseure etc.). Warum eine Kombination davon auf einmal keine Kunst mehr sein?

Als besonders wertvolle Spiele: Planescape Torment.


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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst in Computerspielen
BeitragVerfasst: Dienstag, 21. Oktober 2014, 14:12 
Uncut-Oldie
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Registriert: Freitag, 26. August 2005, 09:38
Beiträge: 2697
Wohnort: LEIPZIG
Man kann schon über einiges Streiten ob es Kunst ist :blueeye:
Bei Computerspielen kann man nicht Streiten die sind Definitiv KUNST :respekt:

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Man Lebt nicht um zu Spielen,
man Spielt um zu Leben!
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Kampf der Zensur
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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst in Computerspielen
BeitragVerfasst: Dienstag, 21. Oktober 2014, 16:45 
Ich habe immer den Längsten
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Registriert: Freitag, 26. August 2005, 12:36
Beiträge: 2221
Wohnort: 52477 Alsdorf
Ich zitieredabei immer gerne eine Stelle aus meiner Dissertation, die sich der Kunstfrage aus juristischer Sicht genähert hat, denn m.M.n. sind die folgenden Ausführungen ein guter Ansatzpunkt um auch abseits von rechtlichen Fragen Kunst zu definieren:

Zitat:
[...] i.S.d. notwendigen, verfassungsrechtlichen Schutzbereichsbestimmung hat das BVerfG insg. drei weite Kunstbegriffe formuliert, gem. derer Kunst von "Nicht-Kunst" abgegrenzt werden können soll.

Nach dem formalen, typologischen Kunstbegriff ist das Wesentliche eines Kunstwerkes, "daß bei formaler, typologischer Betrachtung die Gattungsanforderungen eines bestimmten Werktyps erfüllt sind […]." Das Gericht selbst exemplifizierte, dass "Tätigkeit und […] Ergebnisse etwa des Malens, Bildhauens, Dichtens" per se Kunst seien. Die Werke der sog. schönen Künste, d.h. Musik, Literatur, bildende (z.B. Malerei, Grafik, Bildhauerei, Architektur, Fotographie) und darstellende Kunst (z.B. Theater, Tanz), sind infolge dessen zweifellos Kunst. Ungeachtet dessen, dass die ausschl. Orientierung an Phänotypen etablierter Kunst die für die Kunst so typische, wie essentielle Avantgarde ignorieren könnte, so dass der skizzierte Kunstbegriff auch nur eine hinreichende, nicht aber notwendige Bedingung des Kunstcharakters eines Werkes sein kann, sind bspw. Spielfilme nicht nur genuine Werke bildender Kunst,6 sondern (wie bspw. auch die Oper) regelmäßig auch ein Konglomerat der diversen etablierten Kunstgattungen. Dasselbe gilt natürlich auch für Computerspiele, die i.d.S. per se intrinsische Kunst sind.

Nach dem sog. offenen (zeichentheoretischen) Kunstbegriff ist das Wesentliche eines Kunstwerks, "dass es wegen der Mannigfaltigkeit ihres Aussagegehaltes möglich ist, der Darstellung im Wege der fortgesetzten Interpretation immer weiterreichende Bedeutungen zu entnehmen, so dass sich eine praktisch unerschöpfliche, vielstufige Informationsvermittlung ergibt [...]." Im Lichte der Polymorphie und -semie der Medieninhalte, resp. der generellen Multidechiffrierbarkeit derselben i.V.m. mit der Subjektivität, resp. der Produktivität des Rezipienten, ist das für die diskutierten Spiele aber per se der Fall. Ungeachtet dessen warnt bspw. MEIROWITZ 1993, dass dem Begriff eine "versteckte Qualitätsbeurteilung sowie der Ausschluß jeglichen fehlgeschlagenen künstlerischen Bemühens" inhärent sein könnte und zudem auch die Gefahr bestehe, "daß derzeit noch unverständliche avangardistische Kunst ausgenommen bleibt, da sie mangels Verständnisses keine vielstufige Informationsvermittlung entfalten könne."

Letztlich sind die diskutierten Spiele auch i.S.d. ältesten der Kunstbegriffe, des materiellen Kunstbegriffs, per se Kunst. Nach diesem Kunstbegriff soll das Wesentliche eines Kunstwerks die "freie schöpferische Gestaltung" desselben sein, "in der Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse des Künstlers durch das Medium einer bestimmten Formensprache zu unmittelbarer Anschauung gebracht werden. Alle künstlerische Tätigkeit ist ein Ineinander von bewussten und unbewussten Vorgängen, die rational nicht aufzulösen sind. Beim künstlerischen Schaffen wirken Intuition, Phantasie und Kunstverstand zusammen; es ist primär nicht Mitteilung, sondern Ausdruck und zwar unmittelbarster Ausdruck der individuellen Persönlichkeit des Künstlers."

In der Literatur werden zwei weitere Indizien für die Feststellung des Kunstcharakters eines Werkes diskutiert: Erstens die subjektive Selbstdefinition des Grundrechtsträgers als Künstler, resp. seines Werks als Kunst. Dass der Grundrechtsträger sich selbst nicht als Künstler, resp. sein Werk nicht als Kunstwerk definiert ist aber im Umkehrschluss natürlich kein Indiz für den fehlenden Kunstcharakter eines Werkes. Zweitens die Anerkennung durch kunstsachverständige Dritte: MEIROWITZ 1993 warnt aber vor den diesbzgl. Problemen, wie z.B. der "Auslieferung an Vorurteile Dritter, begrenzten Sachverstand, Irrtümer von Experten, Orientierungslosigkeit in der Kunsttheorie" u.ä. und auch ERDEMIR 2000 argumentiert, dass beides nur von von indizieller Bedeutung sein kann, "will man den Kunstbegriff nicht durch Schaffung eines subjektiven Definitionsmonopols für juristisch unbrauchbar erklären."

Computerspiele sind damit letztendlich eine intrinsische Kunstgattung und infolge dessen auch generell und nicht nur ausnahmsweise (wie in der Literatur regelmäßig und auch noch ohne Beispiele berhauptet wird) von der Kunstfreiheit erfasst. Mithin sind auch kaum oder gar keine Spiele denkbar, die nicht erfasst sein könnten. Nach RÖTZER 2003 stellen Computerspiele gar die "eigentliche Kunstform des digitalen Zeitalters" dar und auch nach Gerhard FLORIN, dem ehem. Executive Vice President und General Manager International Publishing der Electronic Arts Inc., stellen sie das "wichtigste kulturelle Medium dieses Jahrhunderts" dar, so dass er warnt: "Wenn wir uns weigern, Computerspiele als legitime Kunst anzuerkennen, riskieren wir ein Jahrhundert der kulturellen Stille."

Auch insofern die Medieninhalte gewaltdarstellend sind, negiert das grundsätzlich nicht ihren Kunstcharakter, wie auch das BVerfG konstatierte: "Die Kunstfreiheit umfaßt auch die Wahl eines jugendgefährdenden, insbesondere Gewalt [...] thematisierenden Sujets sowie dessen Be- und Verarbeitung nach der vom Künstler selbst gewählten Darstellungsart." Tatsächlich ist Gewalt ja auch bereits seit der Antike ein integrales, ja zentrales Sujet der Kunst. Die Anerkennung des Kunstcharakters darf auch nicht als bspw. nur (vermeintlich) trivialer Kommerz o.ä. von verfassungsrechtlich unzulässigen (und insg. überlegenheitsdünkelnden) Stil-, Niveau- u./o. Inhaltskontrollen u./o. gar nur der Beurteilung (vermeintlicher) bspw. jugendbeeinträchtigender, -gefährdender oder sozialschädlicher Wirkungspotenziale der Werke abhängig gemacht werden. Insofern ist es auch irrelevant, dass Gewaltdarstellungen so regelmäßig wie salopp als Ramsch oder "Schrott" diskreditiert werden.

Quelle: http://darwin.bth.rwth-aachen.de/opus3/volltexte/2013/4847/pdf/4847.pdf (S.98f.)

Ich halte das für ganz passend,insb. wenn man einen Fehler vermeidet, der ja gerne bei der Kunstdiskussion gemacht wird, nämlich Kunst mit Qualität gleichsetzen. Kunst ist aber gerade kein ästhetisches (etc.) Qualitätsmerkmal. Andere beliebte Fehler sind die Gleichsetzungen mit Innovationen, experimentellen Inhalten u.ä.; das sind aber alles keine notwendigen Bedingungen für Kunst. Auch konterkariert Unterhaltung nicht den Kunststatus eines Werkes, wie gerne (unreflektiert) angenommen wird.

Ich wüßte daher auch insg. nicht, was ein besonders künstlerisches Spiel sein sollte... für mich sind die alle gleichermaßen Kunst.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kunst in Computerspielen
BeitragVerfasst: Dienstag, 28. Oktober 2014, 17:33 
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Registriert: Donnerstag, 1. Juli 2010, 07:49
Beiträge: 1779
Ich hoffe auch niemand lässt sich das Argument gefallen, dass Spiele in Auftrag gegeben und bezahlt werden.
Auftragskunst gab es schon immer und ist auch keineswegs ein Merkmal von Qualität.

Was sind besonders erwähnenswerte Beispiele?
Womöglich würde man Spiele nennen, die auf eine besondere Weise mit den Erwartungen des Spielers umgehen und vielleicht auch die vierte Wand durchbrechen.
Andererseits vielleicht auch einfach Spiele, die dem "Betrachter" eine neue Perspektive auf ein Thema geben und zum Nachdenken anregen. Da dürfte Bioshock (1) ganz hoch im Kurs stehen, wobei das natürlich auch im Auge des Betrachters liegt. Mich hat 7554: Glorious Memories Revived zum Nachdenken angeregt, bei dem die meisten anderen Spieler wohl nur den generischen, langweiligen Call of Duty Klon gesehen haben, der dahinter steckt.

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