Gamergate

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LiquidSnakE
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Gamergate

#1 Beitrag von LiquidSnakE » Donnerstag, 23. Oktober 2014, 19:53

Nachdem es zu diesem Thema noch keinen Thread gibt, starte ich einen.

Für alle, die nicht wissen, worum es sich bei Gamergate handelt, hier eine Zusammenfassung: Gamergate controversy (Wikipedia). Wem der Wikipedia-Artikel zu langatmig ist, der möge sich vertrauensvoll an interaktive Quellen seiner Wahl wenden, YouTube z.B., da sich einige sehr bekannte YouTuber intensiv mit Gamergate befasst haben. Persönlich empfehle ich die "Quinnspiracy"-Videos von InternetAristocrat (a.k.a. GamesGoodMeBad bzw. Jim81Jim), die den Irrsinn hinter Gamergate auf schwarzhumorige Art und Weise erläutern.

Was haltet ihr von der Sache? Habt ihr überhaupt etwas davon mitbekommen (da Gamergate ja eher die englische/US-amerikanische Presse betrifft und ich - da ich deutsche Gaming Sites nicht aktiv verfolge - nicht einmal weiß, ob in unserem Sprachkreis überhaupt darüber diskutiert wurde)?

Ich für meinen Teil fühle mich durch Gamergate in meinem jahrelangen Predigen, dass Games-Redakteure keine Journalisten oder Halbgötter, sondern normale Zocker wie du und ich sie, die ihr Hobby eben zum Beruf gemacht haben, bestätigt. Dass große Websites wie IGN oder Gamespot korrupt bis ins Mark sind, sollte spätestens seit der Kane & Lynch-Geschichte auch der breiten Öffentlichkeit klar sein, aber dass dies nur die Spitze des Eisberges darstellt, hätte sich wohl selbst der größte Verschwörungstheoretiker nicht träumen lassen. Einmal mehr kann ich nur bekräftigen, dass nur die dümmsten Kälber blind Redakteuren vertrauen, hinter deren Berichterstattung mehr oder weniger viel Industriegeld steht. Zwar erschüttert mich Gamergate persönlich wenig, da ich einzelnen Reviewern, auch, wenn ich ihren Stil mag (Jim Sterling sei hier als Beispiel genannt), ohnehin nicht vertraut habe, und doch: Hoffentlich wachen durch diesen Skandal nun auch die devotesten Fanboys diverser Magazine auf. Ah, who am I kidding? Ich traue der Gaming-Community zu viel zu... :roll:
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Re: Gamergate

#2 Beitrag von 100%Milk » Freitag, 24. Oktober 2014, 06:09

Wenn GamerGate solchen Arschgeigen wie Kuchera, Leigh Alexander und Co. die Karriere wegnimmt fände ich das herzallerliebst. Die ganze Baggage hat im Internet nichts verloren. Das Ganze ist aber ja schon vor Wochen total aus dem Ruder gelaufen, mit reihenweise doxxing und Konsorten. Quinn/Wu gehen weiterhin ihrem Job als professionelle Opfer nach und schlagen damit in dieselbe Kerbe wie Sarkeesian - kann man wegräumen, braucht auch kein Mensch.

Das Blöde ist das die Sache wohl eh niemals enden wird. Wie auch? Es gibt nur zwei Wege wie das enden könnte: Gamer sterben wirklich, nachdem sie ja bereits für tot erklärt wurden (war natürlich sehr clever die Leute für tot zu erklären auf denen man die eigene Karriere aufgebaut hat) oder irgendwer geht für die Scheiße wirklich in den Knast. Und das wird wohl kaum passieren.
Finds aber gut das mehr und mehr Advertiser ihre Ads von Gawker abziehen. Denen dürfte da inzwischen schon ganz gut die Muffe gehen.

Wer das ganze ebenfalls ganz gut kommentiert hat in meinen Augen war Totalbiscuit. Der hat zwar nicht all zu viel dazu gesagt weil er zu sehr damit beschäftigt war gegen Krebs zu kämpfen, aber das was er gesagt hatte hatte Hand und Fuß.

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RipvanWinkle
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Re: Gamergate

#3 Beitrag von RipvanWinkle » Freitag, 24. Oktober 2014, 14:20

Ich habe die Sache nur en passant mitbekommen, mich darüber auch nicht weiter aufgeregt - Korruption und Nepotismus gab es im Journalismus schon immer (gerade im Kultur- und Rezensionsteil), warum sollte es also im Gamer-Journalismus anders sein?

Ich gebe zu, der Fall ist schon pikanter als andere, und ich bin mir sicher, der Kerl hätte sich niemals träumen lassen, dass aus seinem Schäferstündchen mal eine solche Affäre erwächst. Als Vorkommnis als solches überrascht es mich allerdings nicht.

Und was die sg. "Anti-Feminismus-/Sexismus"-Debatte, Anita Sarkeesian und ihre Armada von verdummten weißen Rittern angeht, kann ich nur Karl Valentin zitieren: "Ich ignoriere es nicht einmal." :roll:
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Re: Gamergate

#4 Beitrag von LiquidSnakE » Freitag, 24. Oktober 2014, 14:51

100%Milk hat geschrieben:Wenn GamerGate solchen Arschgeigen wie Kuchera, Leigh Alexander und Co. die Karriere wegnimmt fände ich das herzallerliebst. Die ganze Baggage hat im Internet nichts verloren. Das Ganze ist aber ja schon vor Wochen total aus dem Ruder gelaufen, mit reihenweise doxxing und Konsorten. Quinn/Wu gehen weiterhin ihrem Job als professionelle Opfer nach und schlagen damit in dieselbe Kerbe wie Sarkeesian - kann man wegräumen, braucht auch kein Mensch.
100%ige Zustimmung. Gerade Leigh Alexander und Patricia Hernandez sind (basierend auf ihren Artikeln) psychisch labile, größenwahnsinnige Parasiten, die durch Gamergate zertreten gehören. Quinn und Wu stellen sich durch ihre Aktionen und Sager gerade selbst ins Abseits - selbst, wenn ihre Verbindungen zur "Gaming Press Elite" noch so gut sind, der Schaden am Image ist angerichtet. Viele wollen etwa Depression Quest (das F2P ist!) nicht spielen, obwohl sie über den eigentlichen Inhalt des Titels nichts wissen - nur, weil es von Zoe Quinn entwickelt wurde. Inzwischen existiert sogar eine web-basierte Parodie namens Oppression Quest, die Zoe und ihr tragikomisches Machtspielchen ins Lächerliche zieht. Die beiden werden m.E. in der Versenkung verschwinden, sobald ihnen selbst die naivsten SJWs ihre Professional-Victim-Routine nicht mehr abnehmen. Sarkeesian ist da schon "gefährlicher", da sie sich besser verkauft (bzw. ihr Lover sie besser gecoacht hat) - hier ist die Nachricht, dass die Frau schlicht ein geschickter Con Artist ist, noch immer zu wenig zur großen Allgemeinheit durchgesickert.

Was mich ankotzt, ist der völlige Mangel an Eiern bei etlichen etablierten "Journalisten", sich den Ursachen von Gamergate kritisch anzunähern. The Escapist ist beispielsweise eine Seite, wo die Diversität von Meinungen - zumindest laut offiziellem Post des Managements - groß geschrieben wird. Trotzdem wagen sich die Angestellten nicht wirklich an das Thema heran. Gut, von erbärmlichen Vollidioten wie Bob "Moviebob" Chipman erwarte ich das auch gar nicht, aber dass gerade Jim Sterling, der sich immer so Pro-Gamer, Pro-Consumer etc. gibt, sehr verhalten reagiert und sich noch dazu einem TIME-Artikel von Leigh Alexander anschließt, finde ich heftig. So sehr ich Jim als Reviewer und kritischen Geist innerhalb des Biz mag, aber der Mann erreicht wirklich im Monatstakt neue (durch seine SJW-Agenda bedingte) Tiefpunkte, seit er, wie er selbst immer wieder betont, mit einer Feministin verheiratet ist, die ihm "die Augen in Hinblick auf Ungerechtigkeiten geöffnet" habe, die "Frauen in unserer Gesellschaft immer noch wiederfahren". Seine "Jimquisition"-Episode zum Thema war absolut erbärmlich. Er schwang sich auf das gleiche hohe Ross wie so viele andere "Gaming Journalists", laut denen der traditionelle "Gamer" tot ist, und ließ uns von seinem Elfenbeinturm aus wissen, dass Gamer hysterisch und Gamergate von Rechtskonservativen unterwandert worden sei, er aber, gütig wie er ist, die Bedenken des kleinen Mannes, Weibchens, Homo-, Bi- und Transgenderchens (wir wollen ja politisch korrekt bleiben!) trotzdem ernst nehmen würde. Allerdings, so erleuchtete er uns, müssten wir Verständnis dafür haben, dass es nun einmal zu Freundschaften (oder auch mehr) zwischen Entwicklern, Mitarbeitern von Publishern/PR-Agenturen und "Journalisten" käme und man dagegen nichts tun könne, außer diese Beziehungen öffentlich in nicht näher spezifizierter Weise zu erörtern, weil kein Mensch objektiv ist (Letzteres unterschreibe ich, aber was hat das mit dem Vorherigen zu tun?). Genau aus diesem Grund existieren in der "Gaming Press" keine Journalisten, sondern nur glorifizierte Blogger, denn wenn du als Mainstream-Journalist eine Aktion bringst, wie es etwa die Männer rund um Zoe Quinn getan haben, bist du entlassen und findest in der Branche nie wieder einen guten Job. Das heißt, außer, du befindest dich in Österreich, wo objektive, unabhängige Berichterstattung so aussieht, aber das steht auf einem anderen Blatt, denn Österreich ist anders.
100%Milk hat geschrieben:[...]
Finds aber gut das mehr und mehr Advertiser ihre Ads von Gawker abziehen. Denen dürfte da inzwischen schon ganz gut die Muffe gehen.
Gawker wird durch diese Geschichte nicht zugrunde gehen, da Gaming nur ein ganz kleiner Teil ihres Netzwerkes ist und deren Aktionäre bereits von ihrer ursprünglichen Hauptseite (gawker.com) und Jezebel wunderbar werden leben können. Jedoch ist es nicht unmöglich, eine große, einflussreiche Seite wie Kotaku zu killen, wenn sich ihr Betreiben für die Mutterfirma nicht mehr lohnt (s. 1UP) - time will tell, I guess.
100%Milk hat geschrieben: Wer das ganze ebenfalls ganz gut kommentiert hat in meinen Augen war Totalbiscuit. Der hat zwar nicht all zu viel dazu gesagt weil er zu sehr damit beschäftigt war gegen Krebs zu kämpfen, aber das was er gesagt hatte hatte Hand und Fuß.
Kommentare, die mir sehr gut gefallen haben, waren - neben den Videos von InternetAristocrat - die zahlreichen Beiträge von Sargon of Akkad zum Thema.
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Re: Gamergate

#5 Beitrag von Vicarocha » Freitag, 24. Oktober 2014, 15:15

... wer zur Hölle sind diese Menschen? :tee:
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Re: Gamergate

#6 Beitrag von LiquidSnakE » Samstag, 25. Oktober 2014, 09:34

Nachtrag: Was mich an Gamergate zunehmend stört, ist der Versuch politisch rechter bzw. konservativer Kräfte, es für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, aus dem einfachen Grund, weil sie den linkslinken Gutmenschen in aller Öffentlichkeit Schaden zufügen - etwas, was gerade den Rechten in den USA seit den Tagen Clintons nicht mehr gelang.

Um den offensichtlichsten Schwachsinn gleich aufzugreifen: Die Bezeichnung als "Gamer" ist kein politisches Statement oder die Bekennung zu einer bestimmten Gruppe von Personen. Ich mag und konsumiere Videospiele, deshalb bin ich ein Gamer - in gleichem Maße, wie jemand, der gerne Filme schaut, ein Filmfan ist. Niemand kann mir absprechen, ein "Gamer" zu sein, da "Gamer", wie gesagt, keine gesellschaftliche Bewegung, sondern die Bezeichnung für Partizipanten eines bestimmten Hobbys sind. Die "Gamer" können folglich nicht kollektiv gegen links oder gegen rechts, gegen Konservatismus oder "Liberalism" (= US-amerikanische Feigenblatt-Bezeichnung von "sozialdemokratisch", denn Liberalismus ist etwas vöööllig anderes) - jedes Individuum trifft diese Entscheidung für sich. Was mich betrifft, können sich Outlets wie Social Matter ihre Asssoziationen in den Arsch schieben - obwohl mir Rechtskonservative immer noch lieber sind als First-World-Problems bekämpfende, gutmenschliche, lückenlos durchgegenderte, feministische SJW-Öko-Faschisten, wie sie z.B. bei Grünen oder Piraten zu finden sind, lehne ich den Konservatismus (und vor allem dessen religiöse, "Moral"-heuchelnde Komponente) ebenso ab und möchte damit nicht in einen Topf geworfen werden, nur weil mich ein Hobby mit Menschen verbindet, die diese Ansichten eventuell vertreten.
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Re: Gamergate

#7 Beitrag von Notarzt » Samstag, 25. Oktober 2014, 14:13

Vicarocha hat geschrieben:... wer zur Hölle sind diese Menschen? :tee:

Genau das dachte ich auch gerade :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Woher kennt ihr diese ganze Liste mit Namen der beteiligten Personen? Zugegeben, ich habe mir NICHTS zu Gamergate durchgelesen. Schon gar nicht den Wikipedia Artikel. Dazu habe ich einfach nicht die Muße.

Ja, ich habe von Gamergate gelesen. Und zwar ne Artikelüberschrift bei Eurogamer.net. Ich wollte dort eigentlich bei Digital Foundry nach einem Technik-Artikel gucken. Erst durch diesen Thread hier ist mir klar geworden, dass "Gamergate" eine Anspielung auf die Watergate-Affäre ist. Und somit eine entsprechende Tragweite hat.
Damit kann man also die Frage, ob das durch die deutschen Medien gegangen ist, eindeutig mit 'Nein' beantworten. Jedenfalls nicht in einer Art und einem Umfang, als das man es als präsentes Thema hätte wahrnehmen können.

Man könnte jetzt mal bei diversen Magazinen gucken. Ich würde wetten, dass mehrere deutsche Online-Ausgaben eine Randnotiz dazu geschrieben haben.


Ansonsten: Ich würde dieser Sache jetzt nicht zu viel Aufmerksamkeit widmen. Der totale Verfall respektive korrupte Strukturen der Medien wurde hier ja schon angesprochen. Dem gegenüber steht aber auch gleichzeitig eine sensationsgeile Öffentlichkeit, die nur darauf wartet, dass die nächste Skandalsau durchs Dorf getrieben wird. Wie schwer die heutigen Medien im Kern verfault sind, wird ja seid den Krisen der 2008er Jahre mehr als deutlich. Egal ob Europa, Energieversorgung, Umwelt- und Verbraucherschutz, Euro, Griechenland oder Ukraine: Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Und das angesichts solch wichtiger Themen! Dinge die essentiell sind für die bürgerliche Wohlstandsgesellschaft.

Und wenn die Journaille bei solchen Themen schamlos die Leute verarscht, was ist dann in den hier ebenfalls genannten Kultur- und Rezensionsteil los? Das kann sich doch jeder ausmalen. Genau wie im "großen Journalismus" geht es meiner Meinung nach hier doch nur um das gleiche: Geld und Macht. Die Spieleindustrie ist sich einig mit den Spielemagazinen, die deren verlängerter Werbeetat sind. Genauso wie sich die produzierende Industrie oder die Finanzwirtschaft über Lobbyisten mit den Politikern einig ist. So sind die Spieleportale die Lobbyisten der Gaming Industrie.

Es geht also um Machterhalt. Es geht darum, dass die aufgebauten Strukturen, der Status quo, intakt bleiben. Es geht darum, dass alle beteiligten ihren bequemen Stuhl in ihrem schön eingerichteten, geheizten Büro behalten. Ob sich dieser Büroraum in Brüssel, in einer nationalen Parteizentrale, im Parlament, im Vorstandshauptquartier oder in einer Redaktion befindet, ist dabei völlig egal.

Die Tragweite von Gamergate kommt, wenn man so quer liest, viel mehr durch die Streuwirkung der sozialen Netzwerke ans Tageslicht. Und natürlich die Kultur der Freiheit und Anonymität im Internet. Es ist kein "Was-auch-immer-Gate" Skandal, sondern einfach nur der nächste große Shitstorm. Und warum das so ist, sollte auch klar sein: Es hängen in der Öffentlichkeit bekannte Leute mit drin (die dazu Reviewer und/oder Journalisten sind) und dazu haben sie ein tolles, voll Shitstorm-kompatibles Thema an den Hacken. Etwas, das wunderbar polarisiert und die Leute sprichwörtlich dazu animiert, mitzumachen. Die Nachrichtenagenturen von heute heißen Facebook und Twitter.

Es ist kleingeistiger, trivialer Dünnschiss, der nur durch die sozialen Netzwerke zur Tragweite bei den Massen gekommen ist. Und weil sich in den heutigen Konsumgesellschaften genug dummes, faules und unterfordertes Gesocks herumtreibt, das nur darauf wartet, endlich wieder irgendwas zu unternehmen. Sei es irgendwelchen Frauen vor ihrer Wohnung auflauern, Foren und Facebook voll zu trollen oder wahllos Morddrohungen aus zustoßen. Oder ihrem verhassten YouTube-Reviewer, mit dem sie sowieso noch nie einer Meinung waren, endlich einen rein zu drücken. Oder, oder, oder ...

Gamergate ist die große "Internet-Version" des Unterschichten-Fernsehens wie XYZ-gesucht, Frauentausch, die Casting Shows und all die anderen Formate, in denen menschliches Unvermögen, Elend, soziale Ausgrenzung und andere Kuriositäten ausgeschlachtet werden, um sie anschließend vor laufender Kamera zu verhöhnen.

Und eines ist doch jetzt schon absehbar: Egal wie groß und "gewichtig" Gamergate war, ist oder noch sein wird: Die Chancen auf Veränderung sind gleich NULL. NULL!, denn die Menschen sind halt so. So wie früher, als man auf den Jahrmarkt gegangen ist und Kuriositätenkabinette besucht hat. Der Riese, der Zwerg / Liliputaner, die bärtige Dame, der Mann ohne Arme usw., all das hat sich in den Jahrhunderten nicht geändert.

Das, was hier veranstaltet wird, ist kein Phänomen der "Gamer", es ist ein Ausbruch menschlicher Natur. Der Mensch ist eben nicht nur gut, er ist auch böse. Er hat nicht nur gute, sondern auch negative Eigenschaften. Wir leben nur in einer Zeit und in einem gesellschaftlichen Klima, in dem man zunehmen im negativen Tun gestärkt wird und die positiven Eigenschaften einen weder gesellschaftlich geschweige denn beruflich weiterbringen. Gamer sind nur einfach eine sehr sehr anfällige Zielgruppe, weil sie weitgehend aus jungen, unerfahrenen und pubertären Jugendlichen/Kindern besteht.

Die Leute suchen IMMER irgendeinen, dem es schlechter geht, als einem selbst. Als Bestätigung für das, was man selbst "erreicht" hat, oder einfach nur aus Niedertracht, weil da irgendwo irgendjemand ist, auf den man gefahrlos eindreschen kann. Eine(r), von dem man schon vorher weiß, dass sie/er sich sowieso nicht zur Wehr setzen kann. Jeder, der irgendwann mal die Schule besucht hat, weiß genau wie das läuft. Es gibt immer den Stereotyp, den Streber, die Schlampe, den Depp, die Dicke, den Clown, die Klassenmatratze usw.

Ob das Thema jetzt Gewaltdarstellung, Sexismus, Videospiele, Frauenrechte, Ausländer, Pornographie oder Minderheiten sind, ist völlig egal. Die Menschen – und damit die Medien – nehmen alles dankbar entgegen, um es auszuschlachten.

MfG

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Re: Gamergate

#8 Beitrag von LiquidSnakE » Sonntag, 26. Oktober 2014, 00:11

Notarzt hat geschrieben:[...]
Woher kennt ihr diese ganze Liste mit Namen der beteiligten Personen?
Die größte verifizierte Liste wurde von einem Mitarbeiter von Breitbart ausgehoben: in Form des Leaks der "GameJournoPros"-Gruppe auf Google, samt Auszügen aus deren Mail-Verkehr. Inhaltliche Absprachen, gegenseitige Hilfe beim Abtöten von Dissens seitens der User, alles schwarz auf weiß. In den letzten 5, 6 Wochen wurden alle paar Tage neue Namen öffentlich, die mit Gamergate irgendwie in Verbindung stehen, aber keine Mitglieder von "GameJournoPros" sind - so viel sei gesagt, es sind wirklich nahezu alle "Big Player" der "Gaming Press" dabei. Mit Ausnahme von IGN.
Notarzt hat geschrieben:Zugegeben, ich habe mir NICHTS zu Gamergate durchgelesen. Schon gar nicht den Wikipedia Artikel. Dazu habe ich einfach nicht die Muße.
Die Kurzfassung (wirklich stark verkürzt):

Gamergate ist der Skandal rund um diverse Vertreter fast aller namhaften Online-Magazine, die sich mit Gaming befassen. Achtung, Ironie: Nur IGN ist nicht dabei. Gerade IGN, das für mich immer schon als *das* Nest möglicher Korruption abseits von Gamespot galt. Was haben diese "Journalisten" also genau getan? Sie haben ihre Berichterstattung abgesprochen, um entweder ihre eigene oder die Agenda einer ihrer Freunde durchzusetzen. Eine Indie-Entwicklerin namens Zoe Quinn etwa hat sich (gefühlt) einmal quer durch die amerikanische "Gaming Press" gevögelt (das meine ich übrigens nicht sarkastisch, sondern wörtlich), um positive Berichterstattung zu bekommen und ihre Kritiker medial zu diskreditieren bzw. totschweigen zu lassen - ein Fall von vielen. Zuletzt weitete sich der Skandal auch auf andere, nicht Gaming-spezifische Websites aus, darunter ArsTechnica, NeoGAF (dessen Moderatoren den korrupten "Journalisten" unter die Arme griffen, indem sie jegliche Diskussion zu Gamergate im Keim erstickten, mehrere hundert Threads löschten und noch mehr User gebannt haben), reddit (ebenfalls totales Verbot jeglicher Diskussion über Gamergate, Löschungen und Bans inklusive. Ein Moderator hatte sogar die Nerven, nebenbei mit Zoe Quinn über Twitter darüber zu sinnieren, wie toll es doch sei, Moderator-Privilegien auf reddit zu besitzen, und ob sie nicht einem Kaffee mit ihm trinken möchte :mrgreen: ) und - ACHTUNG! - 4chan. Jawohl, Moot, Besitzer von 4chan, der Senkgrube des Internets, des "Wilden Westens", wo jede noch so große Perversion erlaubt und geduldet war, schlug sich auf die Seite von Quinn, Sarkeesian und Co. und wies seine Moderatoren an, ebenfalls Gamergate-Diskussionen zu löschen und User zu sperren.

Das Bemerkenswerte an Gamergate ist die schier endlose Arroganz der betroffenen "Journalisten", die, statt ihre Verfehlungen einzugestehen, auf die Gamer losgingen. Am selben Tag wurden auf 10 verschiedenen Websites 10 Artikel zum gleichen Thema publiziert (überhaupt nicht abgesprochen, versteht sich): Gamer sind tot. Der klassische Gamer - das männliche, weiße, heterosexuelle "Kellerkind" - hat sich überlebt, wir brauchen einen neuen, progressiven Gamer. Einen Gamer, der Wert legt auf Feminismus, Inklusion, Toleranz und all die anderen schönen SJW-Buzzwords, die auf Tumblr so beliebt sind. Oh, und jeder, der nur sein Hobby ausleben und sich nicht dieser politisch-soziologischen Bewegung anschließen möchte, ist ein rückständiger Frauen- und LGBT-Hasser und soll sterben gehen. Die Leit-Nachricht der "Journalisten" war quasi: Geht dir deine Zielgruppe auf den Geist (etwa, indem sie von dir etwas verlangt, was einer Form von Berufsethos ähnelt), tausche sie einfach aus. Ich scherze nicht - einmal mehr meine ich das wörtlich. Hier die Gamasutra-Variante der 10-Artikel-an-einem-Tag - (natürlich) aus der Feder von Leigh Alexander: 'Gamers' don't have to be your audience. 'Gamers' are over.

So, nun bist du mehr oder weniger auf dem aktuellen Stand. Ich hätte noch viel mehr zu berichten gehabt, z.B. die Strategie von Gawker Media, Betreiber von Kotaku, auf Gamergate: "Wir brauchen exzessives Cyber-Bullying, um das Gesindel zu vernichten" - und sie haben's probiert. Doch die Gamer hatten den längeren Atem und sorgten dafür, dass ein paar von Gawkers größten Werbeträgern, darunter Intel, ob des öffentlichen Shitstorms eingeknickt und abgesprungen sind, was den Konzern viel Geld kostete. Auch andere Websites haben stark gelitten, darunter Gamasutra und, vor allem, Polygon. 4chan hat Moots Aktion ebenfalls geschadet - derzeit findet dort ein Exodus zu 8chan (gesprochen: Infinite chan) statt, dessen Besitzer absolute Meinungsfreiheit garantierte. Auf anderer Front gibt's ebenfalls Ärger. So hat Anthony Burch, Lead Writer bei Gearbox (u.a. Borderlands 2, Borderlands: The Pre-Sequel!), in einem Anfall endloser Arroganz, Naivität und/oder Dummheit, konfrontiert mit Gamergate öffentlich eingestanden, dass er - vor Gearbox selbst "Journalist" und Feature Editor bei Destructoid - "natürlich" Freunde bei der Presse hat, die ihm/Gearbox bei der Promotion "geholfen" haben, und dadurch einen weiteren epischen Shitstorm begonnen. Ein Ton-Mitschnitt einer Diskussion zwischen David Jaffe (Erfinder von God of War) und Steven Totillo (Kotaku - und bis zum Hals im Gamergate-Skandal) wurde online gestellt, in der sich Jaffe darüber beschwerte, in einem Kotaku-Artikel von Kate Cox als Frauenfeind dargestellt worden zu sein, indem ihm aus einem vulgären Witz während eines GameTrailers-Interviews ein Strick gedreht wurde, was Totillo direkt einräumte. Es gäbe noch so viel mehr zu sagen, aber ich wollte mich eigentlich kurz fassen... - noch überrascht, wieso der Wikipedia-Artikel so lang ist?
Notarzt hat geschrieben:Ansonsten: Ich würde dieser Sache jetzt nicht zu viel Aufmerksamkeit widmen. Der totale Verfall respektive korrupte Strukturen der Medien wurde hier ja schon angesprochen. Dem gegenüber steht aber auch gleichzeitig eine sensationsgeile Öffentlichkeit, die nur darauf wartet, dass die nächste Skandalsau durchs Dorf getrieben wird. Wie schwer die heutigen Medien im Kern verfault sind, wird ja seid den Krisen der 2008er Jahre mehr als deutlich. Egal ob Europa, Energieversorgung, Umwelt- und Verbraucherschutz, Euro, Griechenland oder Ukraine: Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Und das angesichts solch wichtiger Themen! Dinge die essentiell sind für die bürgerliche Wohlstandsgesellschaft.
Das Faszinierende (bzw. Erschreckende) an Gamergate: es demonstriert die völlige Übermacht der Mainstream-Presse. Einschüchterung, Sex und Geld als Gegenleistung für Coverage, gezielter Rufmord und Manipulation - es geht hier um VIDEOSPIELE, um ein harmloses Hobby, aber man kommt sich vor, als hätte man es mit der verfluchten Mafia zu tun! Wie heftig muss es dann erst bei den Medien zugehen, die über Sachen berichten, die für unseren Alltag tatsächlich fundamental relevant sind? Ich muss ehrlich sagen, nicht einmal ich hätte mir dieses Ausmaß an Korruption je träumen lassen - "Journalisten", Entwickler, Publisher, alle sind Teil dieses Skandals. Völliger Irrsinn.

Dem Rest deiner Analyse kann ich nur zustimmen. Ich bin der selben Meinung. Zumindest werden aber ein paar Köpfe rollen - einige der Primäragitatoren gegen Gamergate werden dieses Spektakel beruflich nicht überleben. Spielt im Endeffekt natürlich keine Rolle, da nichts Besseres nachkommt. Trotzdem - alleine, sollte Leigh Alexander endlich einen harten Arschtritt bekommen, wär's die ganze Sache schon wert.

Gestern fand übrigens ein Live-Stream zu Gamergate statt, an dem, neben den von mir bereits positiv erwähnten InternetAristocrat und Sargon of Akkad u.a. auch TotalBiscuit teilnahm. Ich habe fand den Stream informativ und amüsant - falls also jemand 2 Stunden erübrigen kann, hier der Mitschnitt... ^^
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Re: Gamergate

#9 Beitrag von PaulBearer » Sonntag, 26. Oktober 2014, 09:34

LiquidSnakE hat geschrieben:Die Kurzfassung
Danke, das war wirklich eine kurze und klare Zusammenfassung dieser Geschichte, von der ich außer der Bezeichnung Gamergate eigentlich nichts gewußt habe.

Irgendwie sind Videospiele aber nicht mehr so ein zentraler Teil meines Lebens, daß mich die Hintergründe dazu sehr interessieren würden. Ja, es läuft hier viel schief, und es ist gut, daß das aufgezeigt wird und sich Gamer für Aufklärung und Veränderung einsetzen, aber ich kann mich nicht so richtig darüber aufregen.

Für die Entwickler und andere, die durch solche Absprachen nicht die Öffentlickeit bekommen, die sie verdienen, tut es mir natürlich leid. Aber für mich selber kann ich nur sagen: wenn ein Spiel richtig scheiße oder richtig genial ist, wird man's von der Community oder echten "Unabhängigen" erfahren, dann kann man das mit seinem eigenen Geschmack vergleichen und entscheiden, ob man sich ein Spiel kaufen soll oder nicht. Und nicht einzelnen "Journalisten" blind vertrauen.
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Re: Gamergate

#10 Beitrag von Notarzt » Sonntag, 26. Oktober 2014, 13:39

LiquidSnakE hat geschrieben:Die Kurzfassung
Danke für die Zusammenfassung :respekt: Ich muss sagen, dass ich doch überrascht bin. Ich hielt Gamergate bislang für eine große bösartige Internet-Version des "Jungs sind cool - Mädchen sind blöd"-Schulstreits :shock:

Das es hier eigentlich um einen Presse respektive Medienskandal handelt, der der 'professionellen' Spiele-Journaille quasi die Existenzberechtigung entzieht, war mir nicht klar. Die Zusammenfassung von Gamergate ist ja nun nicht mehr die Frage, ob sie lügen, sondern in wessen Auftrag bzw. für wessen Wohlergehen sie lügen. Cui bono - das alte Spiel. Nur die Spielregeln sind global und haben sich mit den Spielern des Spiels vernetzt.

Und ja: Wenn man das nun auf Medien in anderen (relevanten) Lebensbereichen bzw. der Daseinsfürsorge überträgt, dann muss ja zwingend annehmen, vom Zwangsgebühren-finanzierten Staatsfunk gezielt hinters Licht geführt zu werden. Das die Zeitungen in Deutschland aus einer völlig fiktiven Parallelwelt berichten, die im Bundeskanzleramt bzw. am Schreibtisch des Chefredakteurs zusammengereimt wird, ist ja mit dem Ukraine-Konflikt auch dem letzten Bürger klar geworden.

An vielen Stellen wird in Deutschland von unabhängigen Journalisten und Blogs übrigens häufig dazu geraten, dass österreichische Fernsehen zu gucken. Die Beitrage von Christian Wehrschütz, ein Korrespondent des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich wurde da sehr gelobt. Und seine Beiträge auf der ORF-Mediathek von ZIB2 verlinkt.

Vielleicht ist Gamergate auch ne feine Sache für das Verständnis der jungen Leute, was Medien tatsächlich sind, wie sie funktionieren und wie sie - in Summe - damit eingesetzt werden. Alles andere als Missachtung und Misstrauen darf man als Bürger heute nämlich nicht mehr haben, wenn man verhindern will, dass man brutalst-möglich über den Tisch gezogen wird.


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Re: Gamergate

#11 Beitrag von LiquidSnakE » Sonntag, 26. Oktober 2014, 14:26

Notarzt hat geschrieben:[...] Ich muss sagen, dass ich doch überrascht bin. Ich hielt Gamergate bislang für eine große bösartige Internet-Version des "Jungs sind cool - Mädchen sind blöd"-Schulstreits :shock:
So wollten es die großen Medienverlage - ob "Gaming Press" oder Mainstream (FOX und MSNBC seien als Beispiele genannt) - auch darstellen. Die Korruption der Presse, um die es eigentlich ging und die als Auflöser für die "Rebellion" ihrer einstigen Zielgruppe fungierte, soll geschickt unter den Teppich gekehrt werden - und weil die Nazi-Keule gerade nicht passt, wird eben die "Muh-soginy"-Keule geschwungen, da Anita Sarkeesian, Zoe Quinn, Brianna Wu, Anna Anthropy und Co., die alle tief im Gamergate-Sumpf stecken, "natürlich" zum Hassobjekt der männlichen, weißen, heterosexuellen Gamer-Demografie avanciert sind, weil es sich bei ihnen um "starke" Frauen handelt, die sich in einer von Männern dominierten Industrie "behaupten".

Hier haben wir auch schon die Tragik: Ich weiß, dass du keine SJW-Pussy bist, Notarzt, aber du bist den Lügen der Medien trotzdem auf den Leim gegangen. Und genau das ist, was mich, wie gesagt, an Gamergate so schockiert: Wenn aus einem Skandal rund um die Korruption der Presse von eben dieser eine Affaire rund um die Unterdrückung von Frauen in der Gaming-Industrie gesponnen wird, was muss dann erst bei wirklich wichtigen Themen in den Mainstream-Medien hinter den Kulissen ablaufen?
Notarzt hat geschrieben:[...]
An vielen Stellen wird in Deutschland von unabhängigen Journalisten und Blogs übrigens häufig dazu geraten, dass österreichische Fernsehen zu gucken. Die Beitrage von Christian Wehrschütz, ein Korrespondent des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich wurde da sehr gelobt. Und seine Beiträge auf der ORF-Mediathek von ZIB2 verlinkt.
Äh... FUCKING WHAT??? Als Österreicher kann ich nur empfehlen, auf englische Medien umzusteigen, da man in ganz Österreich zu bestimmten Themen (z.B. EU-Skandale, Erfolge von EU-Kritikern, ... - Wer über die Vorgänge in und um die EU informiert sein möchte, muss österr. Medien generell meiden, denn weil in AT die EU-Skepsis traditionell eher hoch ist, wird ausschließliche Positivprädikatisierung zur medialen Pflicht, sondern kommen die Leut' noch auf blöde Gedanken ^^) nichts hört bzw. liest oder diese, wenn man denn davon hört bzw. liest, stark verklärt dargestellt werden (z.B. Probleme mit Randgruppen in der Bevölkerung, Migration bzw. Integration, ...). Auch die Gleichschaltung der Mainstream-Medien ist in Österreich gravierend - Meinungsvielfalt ist eindeutig unerwünscht. Dieses Problem hat die Presse (nicht "die Presse" im Sinne von Berufsstand, sondern die Tageszeitung "Die Presse" ^^) mutigerweise erst unlängst in einem Artikel thematisiert - wohl, weil auch hierzulande allmählich der Frust über die Meinungsdiktatur des Medienkollektivs langsam zunimmt.

Wenn du wissen möchtest, welche Form von Berichterstattung du vom (steuergeldfinanzierten und daher politisch abhängigen) ORF erwarten kannst, sieh dir diesen kurzen Clip an, den ich von einem ORF-Live-Stream zur ESM-Debatte im Parlament gezogen (daher auch die beschissene Qualität) und zur allgemeinen Belustigung auf YouTube gestellt habe. Achte auf die Rhetorik dieser extrem objektiven Journalistin: Wir haben das "kraftvolle, sehr starke EU-Plädoyer" des Bundeskanzlers neben "lösungsorientierten Abgeordneten der Regierung und der Grünen, die für den ESM gestimmt haben", und den "Populismus" der ESM-Gegner, die noch dazu Thilo Sarrazin ins Parlament eingeladen haben, einen "wehementen Gegner vieler fortschrittlicher Ideen in Europa". Und das ist kein Einzelfall, sondern ein Beispiel von vielen - und einer der Gründe, wieso ich seit Jahren kein Fernsehen mehr habe und meinen Fernseher nur für meine Konsolen und zum Anschauen von Blu-rays nutze, da ich nicht einsehe, wieso ich für staatliche Propaganda auch noch bezahlen sollte.
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"Es gibt weltweit auch keinen Nachweis, dass Christian Pfeiffer sinnvoll ist."
- Chris Schmitz (Ubisoft)

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Re: Gamergate

#12 Beitrag von Slayer666183 » Sonntag, 26. Oktober 2014, 14:56

Ach Liquid lass doch den "tollen" ORF in ruhe muss NUR 55,26€ alles zwei Monate dafür zahle, für ein Programm das selbst meine 83 Jährige Großmutter todlangweilig findet.... sagt schon mal viel aus :blueeye: + Meinungsfreiheit war noch nie deren Stärke, erinnere mich noch gut an das eine Strache Verhör eh Interview ich glaub das war in der Pressestunde ............herrlich

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Re: Gamergate

#13 Beitrag von Notarzt » Sonntag, 26. Oktober 2014, 16:42

Hehe nun gut, ich halte es für ein Märchen, dass sich die Propaganda Lautsprecher respektive staatlichen Fernseh- und Radiosender in Demokratien grundsätzlich anders verhalten, als in Diktaturen. Der Name ist ein anderer, die Inhalte aber die gleichen: Was genehm ist, wird gesendet. Und was man nicht mag, wird verklärt oder einfach "weggelassen". Frei nach dem Motto: "Man braucht die Bürger ja nicht zu belügen. Wenn man es nicht berichte und es niemand weiß, dann hat man den gleichen Effekt".

Es ging wie gesagt primär um die Beiträge von Christian Wehrschütz. Das euer ORF die Dinge grundsätzlich anders angeht, als hier ARD und ZDF, wäre in der Tat eine Illusion. Nur: Ich habe die Sachen vom Wehrschütz gesehen (und die waren wirklich gut!) und das ist ein Niveau, was man im Bezug auf die Ukraine so in den deutschen Medien nicht hat.

Es wurde ja auch viel kritisiert: Der Bundesgerichtshof hat in einem Urteil moniert, dass in den Rundfunkräten zu viele Parteimitglieder und sonstige Nießnutzer sitzen. Leute, die sich entweder selbst nur die Taschen voll stopfen und/oder die Interessen ihrer politischen Parteien überwachen und unangenehme Berichterstattung ausschalten.

Dazu gab es eine Rüge des Rundfunkbeirats, der die Interessen der Zuschauer gegenüber den Intendanten vertritt. Dieser wurde von hunderten Zuschauern angeschrieben, die sich über die populistisch tendenziöse Berichterstattung über das Thema Russland / Ukraine belogen gefühlt haben. Aber: Wie in jeder funktionierenden Mediendiktatur hat dieser Rundfunkbeirats dafacto gar nichts zu sagen und nur "beratende" Funktion. Die Intendanten können deren Kritik beherzigen, sie können es aber auch lassen. Und sie tun aus offensichtlichen Gründen das Zweite.

Das Protokoll der Ratssitzung wurde geleakt und wurde somit erst drei Monate später öffentlich. Wenn man sich dann ansieht, was sich in diesen drei Monaten an der journalistischen Kritik, Qualität und Neutralität geändert hat (nämlich gar nichts, ganz im Gegenteil), macht dies die bedeutungslosen Scheinveranstaltungen zum Thema Staatsferne und neutraler Berichterstattung beim Öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur noch offensichtlicher.

Das wird bei euch ganz genau so laufen, davon bin ich überzeugt. Aber ihr habt wohl hin und wieder mal lobenswerte Ausnahmen. Die hatten wir auch mal, aber die Leute sind mittlerweile alle raus geflogen, weil sie das falsche bzw. gar kein Parteibuch hatten.

MfG

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Re: Gamergate

#14 Beitrag von LIH » Dienstag, 28. Oktober 2014, 15:40

Also von Gamergate hatte ich bisher auch nur wenig mitgekriegt und ehrlich gesagt noch kein großes Interesse gehabt mich darin zu vertiefen. Die Namen Quinn und Sarkesian und die damit verbundenen "Skandale", oder Kritikthemen sind mir bekannt. Von seiten der deutschen Fachpresse hört man zu alledem nicht viel. Nur ab und zu mal eine Meldung dass eben Sarkesian, Quinn oder sonst jemand von dieser neuen Gruppierung Gamegate bedroht und/oder gedoxxt wurde (an dieses Wort "doxxen" kann ich mich nur schwer gewöhnen).
Sieht also so aus als ob auch die deutsche Presse das Thema eher aussitzen will oder erstmal guckt was sich so ergibt. Aber diese These könnte ja auch für die gesamte Presse gelten.
Die mir einzige bekannte Art der Auseinandersetzung (von deutscher Presse) kommt von Gamestar, in der die beiden Redakteure Transparenzkritik und gewisse Vorwürfe zur Neutralität der Presse anerkennen, andererseits aber auch das Verhalten der Gamergate Anhänger gegenüber den Feministen an den Pranger stellen und ein paar Punkte der Feministen als wahr und gegeben akzeptieren.
Irgendwie versuchen sie so zwischen allen Stühlen zu stehen und schlussendlich schließen sie mit einem Aufruf zu mehr Gelassenheit und stellen beide Positionen als zwei Pole extremer Positionen dar, die man wohl besser meiden sollte.

Wobei mir eine Überlegung nun doch im Kopf hängengeblieben ist. Entweder unterschätzt der eine Typ die Situation grundlegend, oder man muss sich eben doch keine Sorgen um seine Spiele machen. Mal aus den Gedanken recht wörtlich zitiert: Wenn Square Enix mit dem nächsten Hitman Spiel mit Sexismus ein paar hundert mehr Spiele verkauft, dann machen die das, da kann Annita Sarkesian noch so viele Videos machen.
Da weiß ich allerdings auch nicht die Antwort. Klar werden am Ende des Tages die Unternehmen auf die nackten Zahlen gucken und danach handeln. Andererseits haben aber schon ein paar Entwickler einen Wechsel ihrer Weltanschauungen angekündigt und überhaupt geht es ja auch um die Spieler selber und ob man sich einen Verhaltenskodex, bzw. eine Zensur auferlegen lässt.

Lustig ist jedenfalls, dass diese eine Feministin sich auch beim Thema Gamergate ganz klar auf die Position der Spieler stellt.

Zur Neutralität der Presse: Da ist ein Paradigmenwechsel, bzw. wirkliche Neutralität natürlich längst überfällig, das haben wir ja schon öfters festgestellt. Ich glaube selbst in der Automobilpresse gab es schon vor Jahren Diskussionen darüber was erlaubt ist, ob sich ein Reporter von einem Hersteller zur Vorstellung des neuen Autos einfliegen lassen darf und auch Kost und Logie für ihn übernommen wird.
Ansonsten finde ich es schon gut, dass die Presse mal ordentlich einen Treffer vor den Bug bekommt und wegen ihrem unglaublichen Verhalten die Anzeigenkunden von Bord springen. :mrgreen:
Auch wenn immer wieder die Kritik aufkommt, dass Gamergate keinen Kopf hat, so hoffe ich doch, dass sich das auch nicht ändern wird. Der erste Weg eine Gruppierung zu zerstören besteht immer wieder ihre Gallionsfigur zu diskreditieren. Dabei hat die Geschichte ja gezeigt, dass z.B. Anti-Atom- und Friedensbewegungen besser ohne Partei funktionieren.

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Re: Gamergate

#15 Beitrag von RipvanWinkle » Dienstag, 28. Oktober 2014, 23:04

Mittlerweile hat sich sogar die FAZ der Sache angenommen.
"Capitalism is the unequal distribituon of wealth; socialism is the equal distribution of poverty."
Winston Churchill

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Re: Gamergate

#16 Beitrag von 100%Milk » Mittwoch, 29. Oktober 2014, 06:51

LIH hat geschrieben:Lustig ist jedenfalls, dass diese eine Feministin sich auch beim Thema Gamergate ganz klar auf die Position der Spieler stellt.
Es gibt sehr viele Frauen die auf der pro-GG Seite sind. Diese werden halt nur vollkommen ignoriert, stattdessen lässt man Attention Whores wie Brianna Wu oder Zoe Quinn durch die Medien laufen als wäre es der Straßenstrich. Professionelle Opfer verkaufen sich halt besser als Leute aus der Industrie die sagen "Nun mal schön die Kirche im Dorf lassen". Wenn man stattdessen schreien kann was für ein armes Opfer man doch ist ohne jemals irgendeinen Beweis für irgendwas zu erbringen und Bilder in Umlauf bringen kann die so manipuliert sind, dass sie eine Sache gänzlich anders darstellen, ist das halt tauglicher um Publikum zu ziehen (man erinnere sich an das Bild von 4chan wo jemand aufgerufen hat Quinn zu doxxen. Das hat sie natürlich für ihre Zwecke genutzt. Was sie nich gezeigt hat war das nahezu jede ANtwort in dem Thread war das derjenige der zum doxxen aufgerufen hat sich gefälligst verpissen und die Scheiße lassen soll).

Wenn überhaupt freu mich wenn Fans die Sachen in die eigenen Hände nun nehmen weil sie es so satt haben. Habe gestern entdeckt das User von Destructoid ne eigene Seite hochgezogen haben die darauf verschworen ist unabhängig zu sein und zu sein bleiben, sodass ihnen die Zensoren von Reddit und Co nix anhaben können. Wenn die es schaffen sich als journalistisches Outlet auch nur geringfügig zu etablieren werden die Firmen auch die mit Infos direkt füttern und schon hat man eine Seite geschaffen die genauso gut oder genauso schlecht, in Bezug auf Informationen, wie der Rest ist. Ich hoffe sowas kommt noch häufiger (habe schon von mehreren Leuten gehört das sie in die Richtung denken, aber Dtoid ist so ziemlich die einzige Community wo ich ein aktiver Leser bin) und ich hoffe das Seiten wie Gawker und Gamasutra an dieser Sache zugrunde gehen. Ich glaube es zwar nicht, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

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Re: Gamergate

#17 Beitrag von Notarzt » Freitag, 31. Oktober 2014, 19:48

Hut ab! Sogar die FAZ ist auf die Gamergate-Propaganda hereingefallen und verklärt die Sache zu einem soziologischen / feministischem Disput. Von Korruption und der Absprache durch die geleakten Emails kein Wort.

Unglaublich, wie gut die ihr Ding unter den Tisch kehren. Ein klassischer Kampf um Deutungshoheit. Ab nun ja, dass Kind ist in den Brunnen gefallen und ich glaube nicht, dass Gamergate je ins rechte Licht gerückt wird resp. das die Verantwortlichen ihren Job verlieren. Das wäre eigentlich das Mindeste.
Aber die werden weiter dagegen anschreiben, bis der Gegenwind abflaut und die Sache bequem aus sitzen.


MfG

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Re: Gamergate

#18 Beitrag von RipvanWinkle » Freitag, 14. November 2014, 13:54

Hier ein erfrischend scharfzüngiger und amüsanter Kommentar zur der Gamergate-Debatte von einem der besten und profiliertesten Maskulisten/Men´sRights-Vlogger auf Youtube:

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